Platzrunde – 150m-Schwankungskorridor wird nicht mehr angewandt

Die Bezirksregierung hat sich mit Schreiben vom 17.1.2014 an die Flugplatzgesellschaft Hangelar nochmals zur Platzrunde am Flugplatz Hangelar  geäußert.

Danach bestätigt die BezReg, dass die Einhaltung der Platzrunde, wie sie im Luftfahrthandbuch der Bundesrepublik Deutschland (AIP-VFR) veröffentlicht ist, für Luftfahrzeugführer verbindlich vorgeschrieben ist.

Die BezReg gibt aber neue Hinweise zum Umgang mit Abweichungen von der Platzrundenführung:

Zukünftig werden alle potentiell ordnungswidrigen Flugverhalten im Wege einer strikten Einzelfallbetrachtung, unter Berücksichtigung aller Aspekte des konkreten Flugverlaufs, geprüft. Dabei sollen die gutachterlichen sachlichen Feststellungen der „Gutachterlichen Stellungnahme  – Auswirkung der Überwachung eines Platzrunden-Korridors auf die Flugsicherheit am Verkehrslandeplatz Bonn-Hangelar“ von Prof. Janser von der FH Aachen vom 16.08.2013 als Orientierungshilfe dienen.   Damit findet der Schwankungskorridor in einer seitlichen Ausdehnung von jeweils 150 m seitlich der Platzrundenlinie, innerhalb dessen ein Abweichen, u. a. aus meteorologischen, verkehrsbedingten oder technischen Gründen bzw. aufgrund der Leistungsmerkmale des Luftfahrzeugs, als unbeachtlich gesehen wurde, keine Anwendung mehr.

Das vollständige Schreiben kann hier heruntergeladen werden:
–> BezRegVerbindlichkeitPlatzrunde2014.pdf

Siehe auch Presseberichte hierzu –> Presse 2014

Kommentar:
Was bedeutet dies nun: Defacto wird ein Abweichen von der Platzrunde nur noch geahndet werden können, wenn die Abweichung so “groß” ist, dass sie den Kontrolleuren der BezReg auffällt bzw. sie darauf von anderer Stelle aufmerksam gemacht werden. Die Kontrolleure müssen dann den Piloten ansprechen und falls der Pilot dann die Abweichung flug- und sicherheitstechnisch nicht begründen kann, kann es weiterhin zu Ahndungen kommen. Eine objektive Richtschnur, ab wann eine Abweichung “groß” ist, gibt es aber zunächst nicht mehr. Das Gutachten von Prof. Janser führt eine Abweichung von +/- 1400 m an, die für ein spezielles Sichtflugverfahren bei Flugzeugen mit Instrumentenflug (Seite 50 des Gutachtens –> Link zum Gutachten) gilt. Dies wäre dann allerdings eine Größenordnung, die einen Großteil der Orte Niederberg, Holzlar, Bechlinghoven, Pützchen, Vilich, Vilich-Müldorf, Geislar, Meindorf, Niederpleis, Ort, Zentrum und Hangelar überdeckt.  Einen Eindruck ergibt diese Karte  (zum Vergrößern anklicken)

Platzrunde_plus_1400m

(Grün=Platzrunde, Rot=Platzrunde+1400m).

Aus Sicht der betroffenen Bürger sicherlich keine akzeptable Vorstellung.
Leider steht zu befürchten, dass damit das Risiko einer Bestrafung für die Piloten, die sich bewusst oder gedankenlos nicht an die Regeln halten wollen, sehr gering wird. Wenn es stimmt, dass viele Flieger Hangelar gemieden haben, weil sie Angst vor einer (unberechtigten?) Bestrafung hatten, so muss die Bevölkerung nun tatsächlich wieder mit einer höheren Lärmbelastung rechnen. Ob es dazu kommt, hängt jetzt von den Fliegern ab, sie können durch ein verantwortungsvolles und lärmbewusstes Handeln das Problem entschärfen.

Mal sehen, was passiert. Der Sommer wird es zeigen.